Historie

Polnische Katholische Mission (PKM) Landshut

Die PKM in Landshut wurde gegründet, um den religiösen Erwartungen polnischsprachiger Katholiken gerecht zu werden. Die meisten von ihnen waren Polen, die während des Zweiten Weltkrieges deportiert wurden und sich später in Landshut und  Umgebung niederließen. Das Wirken der polnischen Seelsorge in Landshut und den nahe gelegenen Orten begann am Anfang der 50er Jahre. Pfarrer Alojzy Klinkosz, der zu der Zeit ebenfalls im südöstlichen Gebiet Bayerns tätig war, machte die Kirche des Hl. Petrus und Paulus zum ständigen Ort der polnischen Seelsorge. Von Anbeginn an wurde hier die Hl. Messe gefeiert; es fanden auch einige Taufen sowie Eheschließungen statt. Später kamen auch Beerdigungen hinzu -diese wurden seit 1960 schriftlich festgehalten. Pfr. Klinkosz war bis 1970 der zuständige Seelsorger für diesen Bezirk. Später übernahm die Seelsorge der Redemptorist Pater Jerzy Galiński, der sich mit großer Aufopferung bemühte, Menschen in der Kirche zu versammeln und eine lebendige Gemeinschaft zu bilden. Nach einigen ]ahren wurde Pater Galiński von einem anderen Redemptoristen, Pater Stanisław Wróbel, abgelöst. P. Wróbel wurde aufgrund eines Schreibens des Generalvikars der Erzdiözese München, Gerhard Grubet vom 09.03.1978 mit der polnischsprachigen Seelsorge in Landshut und Umgebung beauftragt.

Die formelle Gründung der PKM in Landshut als eigenständige Seelsorgeeinheit (missio cum cura animarum) erfolgte am 24.10.1978, aufgrund eines von Joseph Kardinal Ratzinger, dem damaligen Diözesanbischof der Erzdiözese München-Freising, erlassenen Dekrets. Die Mission sollte ihre Arbeit mit polnischen Katholiken in den Dekanaten Geisenhausen, Landshut, Moosburg und Mühldorf aufnehmen. Die Kirche des Hl. Petrus und Paulus in Landshut blieb der Ort für Andachten und Hl. Messen in der polnischen Sprache. Drei Wochen später, am 14.11.1978, wurde Pater Stanisław Wróbel zum Pfarrer der Mission ernannt. In relativ kurzer Zeit musste er feststellen, dass außerhalb der in den Dokumenten festgehaltenen Gebiete der polnischen Mission, viele Polen leben, die an einer polnischsprachigen Seelsorge interessiert sind. Aufgrund dessen fing er umgehend an, in ferne Orte anderer Diözesen Ostbayerns, in denen viele Polen und polnischsprachige Gläubige lebten, zu fahren. Die Bücher der Pfarrei halten für das Jahr 1978 sogar eine Seelsorgetätigkeit in Regensburg und im Jahre 1980 in Passau fest. P. Stanislaw Wróbel war in der Mission lediglich zwei Jahre lang tätig, also verhältnismäßig kurz. Es blieb die Erinnerung an einen eifrigen Pfarrer.

Der zweite Gemeindepfarrer der polnischen Mission wurde am 12.09.1980 Pater Józef Chudzik, ebenfalls Redemptorist. Innerhalb kurzer Zeit erweiterte sich das Territorium seiner Mission: am 16.03.1981 kam die Diözese Regensburg und am 03.06.1981 die Diözese Passau hinzu. Dem neuen Seelsorger in Landshut eröffnete sich somit ein breiteres Tätigkeitsfeld. Er versuchte so gut wie nur möglich die polnische Seelsorge zu organisieren. Anfangs im Jahr 1980 standen der polnischen Mission nur drei Einrichtungen zur Verfügung: in Landshut, in Passau und in Regensburg. Im Laufe der Zeit wurden mehr Einrichtungen, zu denen P. Chudzik fuhr, gegründet. Erwähnenswert sind hier unter anderem: Taufkirchen, Freising, Deggendorf, Straubing, Burgkirchen, Altötting, Erding, Simbach, Johannesbrunn, Pocking, Unterhain, Dingolfing, Schönberg, Regen, Zwiesel, Bogen, Pfaffenberg, Bad Abbach, Regenstauf, Rottenburg. Die Seelsorge an all diesen Orten war nur begrenzt möglich: die Hl. Messe fand nur ein-oder zweimal im Monat oder aber nach vorheriger Absprache statt. Allerdings konnte neben den Hl. Messen auch weitere geistliche sowie die häufig benötigte materielle Hilfe angeboten werden.

Seit Dezember 1981 stieg die Zahl der aus Polen stammender Menschen gewaltig an. Es gibt keine statistischen Quellen, die genau belegen könnten, wie viele polnische Emigranten in dieser Zeit und in dieser Region Deutschlands lebten. Mit großer Sicherheit waren es Tausende. In den Jahren 1983-1986 wurde einer über hundertköpfigen Gruppe polnischer Arbeiter, die an dem Bau des Atomkraftwerks Ohu II in der Nähe von Landshut beteiligt waren, die regelmäßige Seelsorge in polnischer Sprache gewährleistet. An jedem Sonntag und an jedem Feiertag gab es für diese Menschen eine Hl. Messe in Unterrhein.

Ähnlich war es während des Baus des internationalen Flughafens München II An diesem Bau beteiligten sich über 1000 polnische Arbeiter. Ab 1989 hatten diese die Möglichkeit an polnischen Hl. Messen in Freising teilzunehmen, die von dern Seelsorger aus Landshut geleitet wurden. Ebenfalls ab 1989 gab es in Regensburg regelmäßig Hl. Messen an Sonn- und Feiertagen auf Polnisch. Dieses wurde durch das Ersuchen der Vorsteher des Redemptoristenordens ermöglicht, da
diese am 10.11.1988 den Redemptoristen P. Wiesław Majewski mit der Unterstützung des Gemeindepfarrers beauftragten. Am 01.01.1990 wurde P. Majewski durch das Ordinariat in Regensburg, vor allem dank des Ersuchens des Delegaten der Polnischen Katholischen Missionen in Deutschland, Franciszek Mrowiec, zum Vikar dieser Diözese, der für die polnischen Katholiken zuständig sein sollte, ernannt. Als ständiger Sitz für seine Seelsorgetätigkeit wurde ihm die Kirche Mater Dolorosa in Regensburg zugewiesen.

Zurzeit arbeitet dort P.Józef Maziarz. Diese Wirkungsstätte gilt als eigenständiges Vikariat. Die Seelsorge für die polnischen Katholiken in der Diözese Passau sollte zunächst auch von P. Majewski übernommen werden. Diese Tätigkeit wurde dann aber an einen anderen in der Diözese tätigen polnischen Pfarrer abgegeben. Die Polnische Katholische Mission in Landshut kümmerte sich ferner auch um die Seelsorge für diejenigen, die als Saisonarbeiter in der Gegend arbeiteten. Für diese Menschen fanden die Gottesdienste in Goldern und Ganacker statt. Aufgrund der politischen Veränderungen in Polen sowie in Mittel- und Osteuropa konnte in den 90er Jahren eine abnehmende Zahl der Emigranten festgestellt werden. Einige haben zu dieser Zeit ferner
das Gebiet der Bundesrepublik wieder verlassen oder integrierten sich mehr in die deutsche Gesellschaft. Es wurde kein Anstieg der Gläubigerzahlen verzeichnet. Dies führte dazu, dass nach dem ]ahr 2000 kleinere Einrichtungen nicht mehr „versorgt“ wurden. Die reguläre polische Seelsorge findet weiterhin in Landshut und Freising statt, gelegentlich auch in Taufkirchen sowie in Goldern während der Saisonarbeiten. In den Jahren 2002-2004 wurde der Propst, der gesundheitliche Probleme hatte, von P. Janusz Urban unterstützt, der eine Doktorandenstelle in München hatte. P. Józef Chudzik war Gemeindepfarrer bis Ende August 2004. Ab dem 01.09.2004 wurde aufgrund des von dem Generalvikar der Erzdiözese München, Herrn Dr. Robert Simon, unterschriebenen Dekrets P.Jan Przewoźnik, Redemtorist, Pfarrer der Mission in Landshut. Das Dekret benennt die Reichweite der Mission. Es gehören ihr folgende Dekanate an: Dorfen, Erding, Freising, Geisenhausen, Landshut, Moosburg, Mühldorf, Weihenstephan-Dekanate in der Erzdiözese München (ca.1800 Katholiken) sowie, ohne hierzu die einzelnen Dekanate aufzuzählen, der südliche Teil der Diözese Regensburg.

Die Arbeit in der polnischen Mission hatte zu verschiedenen Zeiten unterschiedlichen Charakter. Dieser war von den historischen Ereignissen der jeweiligen Zeit, in der sich unsere Landsleute befanden sowie von den Möglichkeiten, die die jeweiligen Seelsorger hatten abhängig. Mit großer Sicherheit hatte sie und hat immer noch einen missionarischen Charakter. Neben den Hauptzielen der Arbeit, also dem Führen der Menschen zu Gott und der Hilfe zu einem Leben im Glauben, galt es auch, den Menschen zu helfen,sich in ihrer neuen Umgebung und Situation wieder zu finden, die häufig ganz anders war als die, die man kannte, in der man aufgewachsen ist und in der man gelebt hat. Die Seelsorger bemühten sich vor allem um die Kontaktaufnahme mit den Glaübigen sowie um deren Aufrechterhaltung. Zu dieser Kontaktaufnahme kam es durch Besuche der in der jeweiligen Region lebenden Menschen sowie durch Besuche derjenigen, die in Übersiedlungslagern untergebracht waren.Eine weitere Möglichkeit der individuellen Kontaktaufnahme waren die Fahrten zu den einzelnen Einrichtungen, in denen sonntags Andachten abgehalten wurden. Um den Kontakt zwischen den Seelsorgern und den Gläubigen zu festigen, wurde auch häufig miteinander telefoniert, da die Möglichkeiten der regelmäßigen Besuche, vor allem der weiter entfernten Einrichtungen, begrenzt waren.

In den Jahren 1993-1995 wurde -manchmal sogar in einer Auflage bis zu 1000 Stück – ein Bulletin mit dem Titel „Nasza Wspólnota“ (Unsere Gemeinschaft) gedruckt. Durch dieses Bulletin wurden Zusammenarbeit und Kontakt zwischen den Seelsorgern und den Gläubigen sowie unter den Gläubigen untereinander erleichtert und gefestigt. Das Bulletin behandelte Themen, die sich mit dem Glauben auseinandersetzten, Informationen über die Gemeinschaft der Mission und aktuelle Auskünfte für Emigranten. Das Bulletin unterlag allein der Redaktion von P.Józef Chudzik. 1986 entwickelte sich die Notwendigkeit der Zusammenarbeit mit Kindern und Jugendlichen der Mission, und deshalb führte man in Landshut den Religionsunterricht sowie Polnischunterricht ein. Um das religiöse Leben zu vertiefen und die Menschen zu vereinigen gab es für die Gläubigen Andachtsübungen sowie Tage der Meditation. Ferner gab es viele Treffen der Seelsorger in den Gemeindehäusern mit verschiedenen Gruppen von Gläubigen (mit Eheleuten, Senioren, Jugendlichen und Kindern). ZieL dieser Treffen war es jedem einzelnen seine persönliche Stellung und Aufgabe in der Kirche zu vermitteln und ihm den richtigen Lebensweg im Glauben aufzuzeigen.In der Mission wurden viele Pilgerfahrten zu verschiedenen Wallfahrtsorten in Deutschland, Frankreich, Österreich, Italien und der Schweiz organisiert. Diese Fahrten hatten stets eine große Popularität und verhalfen dazu, einige Bekanntschaften und Kontakte zu festigen. Weiterhin gab es Veranstaltungen, die sich mit kirchlichen, nationalen und anderen Ereignissen auseinandersetzten. Zu diesen Veranstaltungen zählten unter anderem weihnachtliche Oblatentreffen, Krippenspiele, Weihnachtsliederkonzerte, Aufführungen zum Feiertag des 3. Mai, Kirchweihfeste, Nikolaus u.a.

Zurzeit findet die Seelsorge in Landshut und in Freising, gelegentlich auch in Taufkirchen sowie während der Saisonarbeit auch in Goldern statt. An der Sonntagsmesse nehmen ca. 500 Personen teil. Es gibt zwei Gruppen von Kindern, die den Religionsunterricht besuchen und zwei Gruppen von Schülern, die an dem Polnischunterricht teilnehmen. Es gibt viele Messdiener, die Gruppe „Rose des Rosenkranzes“, viele Lektoren und Kantoren. Organisiert werden Maiandachten, Andachten des 1. Freitags im Monat, Andachten zur Barmherzigkeit Gottes, Kreuzweg, Novene zur Mutter Gottes der immerwährenden Hilfe und viele andere.

Am Schluss dieser Ausführungen gilt es Dank und Anerkennung denjenigen Pfarrern auszusprechen, die in der Mission tätig waren und tätig sind -allen voran P.Józef Chudzik, der nun seit fast einem viertel Jahrhundert die Funktion des Gemeindepfarrers ausübt. Ferner soll auch den deutschen Kirchen in München, Regensburg und Passau für das gute Verhältnis und die gute Zusammenarbeit mit der Mission gedankt werden. Der Dank gilt auch den deutschen Pfarrern: Joachim Quasbart, Pfarrer der Kirche des Hl. Petrus und Paulus in Landshut sowie Pfarrer Georg Aichinger, Seelsorger der Kirche der Mater Dolorosa in Regensburg, die seit vielen ]ahren ehrliches Wohlwollen und Freundlichkeit gegenüber der polnischen Seelsorge zeigten und zeigen.

Pfr. Jan Przewoźnik

 

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